Saisonabschluss
Auf zwei Rädern vom „Hausmeisterstrand“ zurück in die Heimat – das ist die Art, wie ein klassischer Familienurlaub einen guten Ausklang findet. Nach Tagen voller Strandleben, Sand zwischen den Zehen und dem unverwechselbaren Flair von Bibione hieß es für uns: Helm auf, Visier runter und rein in die Kurven.
Schließlich warten auf dem Heimweg nach Wien keine schnöden Autobahnkilometer, sondern eine feine, zweitägige Genusstour durch das Friaul und über slowenische Pässe.
Erster Tag: Von der Adria ins Jezersko
Um Punkt neun Uhr rollten wir los. Die ganz große Sommerhitze hielt sich beim Verlassen von Bibione glücklicherweise noch in Grenzen. Raus aus dem Trubel und auf der SS14 stetig vorwärts bis nach Cervignano del Friuli.
Über die SR351 ging es flüssig weiter nach Villesse, wo wir kurzerhand auf die mautfreie Autobahn Richtung Slowenien wechselten.
Ab Nova Gorica änderte sich die Szenerie schlagartig. Slowenien empfing uns mit dem, was wir am meisten lieben: Asphaltbänder, die sich harmonisch an Flussläufe schmiegen und sanft in die Voralpen steigen. Über Plave, Rocinj und Stopnik wand sich die Straße durch das smaragdgrüne Soča-Tal und das hügelige Hinterland, bevor der Aufstieg nach Cerkno anstand.
Über Kranj näherten wir uns schließlich dem heutigen Etappenziel. Nach exakt 220 Kilometern, knapp vier Stunden purer Fahrzeit und beachtlichen 2.090 Höhenmetern bogen wir zur wohlverdienten Pause ein: der Pension Kanonir. Ein echtes Juwel für Motorradfahrer, wo der Tag bei bester Verpflegung und dem leisen Auskühlen der Motoren einen perfekten Abschluss fand.
Zweiter Tag: Vom slowenischen Grenzland über den Sölkpass zurück nach Wien
Nach einem herzhaften Frühstück in der Pension Kanonir hieß es am nächsten Morgen wieder: aufsitzen. Die Schlussetappe: 480 Kilometer, knackige 7:30 Stunden im Sattel und stolze 4.610 Höhenmeter wollten erst einmal bezwungen werden.
Gleich zu Beginn stand ein echtes Highlight auf dem Roadbook: der Grenzübertritt über den landschaftlich spektakulären Seebergsattel. Die Passstraße schwang sich herrlich empor und entließ uns direkt ins Kärntnerland. Von dort rollten wir über Völkermarkt, Brückl und Klein St. Veit entspannt dahin, immer mit Kurs auf die Steiermark. Unser nächstes Zwischenziel hieß Neumarkt, um von dort aus zum unbestrittenen fahrerischen Leckerbissen des Tages abzubiegen – dem Sölkpass.
Auf dem Weg hinauf zum Sölkpass erwischte uns mitten im Wald ein plötzlicher Regenschuss. Kein Grund zur Panik: Unter dichten Baumkronen machten wir unplanmäßig Halt, suchten Schutz und machten aus der Not eine Tugend. Unser mitgebrachtes Picknick wurde kurzerhand verputzt. Wie bestellt hörte der Spuk nach gut 20 Minuten auf, und wir konnten – wenn auch auf feuchtem, aber zusehends abtrocknendem Asphalt – den restlichen Anstieg zum Pass in Angriff nehmen.
Oben angekommen, war der Blick in die weite, alpine Kulisse jede nasse Minute wert. Die Abfahrt führte uns flüssig weiter ins Ennstal nach Liezen. Von dort ging es auf gewohnten, kurvenreichen Lieblingsstrecken weiter: Durch das wildromantische Gesäuse beziehungsweise Richtung Wildalpen, vorbei an rauschenden Bächen und durch schattige Wälder.
Über Mürzsteg und Mürzzuschlag näherten wir uns Schritt für Schritt wieder der Zivilisation. Der legendäre Semmering bildete den letzten passmäßigen Höhepunkt, ehe wir kurz danach endgültig die Auffahrt zur Autobahn ansteuerten. Die letzten Kilometer spulten wir im gleichmäßigen Tempo herunter, bis die Silhouette von Wien wieder vor uns auftauchte.
Zwei Tage, unzählige Kurven, Pässe, Tropfen und Höhenmeter – der „Hausmeisterstrand“ war spätestens jetzt ganz weit weg. Schön war's.