Ja, richtig gelesen: Ich war schon wieder in Feichtenbach! Aber diesmal war es absolut keine Fehlplanung, sondern pure Absicht. Wer sagt denn, dass man eine Tour nicht um ein bisschen Abenteuer und Geschichte bereichern kann?
Der entspannte Einstieg & das Kurven-Warm-up
Start war wieder im heimischen Stadlau, doch diesmal lies ich das Kopfsteinpflaster der Höhenstraße links liegen und steuerten direkt nach Süden. Über Guntramsdorf ging es hinein ins Grüne. Die Strecke über Gaaden und vorbei an Mayerling ist einfach der perfekte Weckruf für die Reifen. Über Weissenbach an der Triesting und Pernitz ging es zügig voran, bis der Blinker schließlich Richtung Feichtenbach gesetzt wurde.
Der Hauptact: Gänsehaut in Feichtenbach (Die alte Lungenheilanstalt)
Das eigentliche Highlight des Tages wartete tief im Graben: Das Sanatorium Wienerwald, besser bekannt als die ehemalige Lungenheilanstalt Feichtenbach.
Ein Ort mit Geschichte: Erbaut wurde der riesige Komplex Anfang des 20. Jahrhunderts als luxuriöses Sanatorium für Lungenkranke – idyllisch und abgeschieden mitten im Wald, wegen der perfekten Luft. Doch die Idylle trügt, denn die Geschichte des Ortes ist düster: Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Areal von den Nationalsozialisten als "Lebensborn"-Heim zweckentfremdet. Nach dem Krieg diente es unter anderem noch als Erholungsheim für die ÖBB, bevor es vor über 20 Jahren komplett stillgelegt wurde.
Heute steht die Anlage als mächtiger Lost Place mitten in der Natur. Wenn man den Motor abstellt und den Helm abnimmt, herrscht hier eine fast schon unheimliche Stille. Die monumentale, langsam verfallende Fassade, die eingeschlagenen Fenster und die Natur, die sich das Gelände Stück für Stück zurückholt, verpassen einem beim Vorbeifahren eine ordentliche Gänsehaut. Ein echter Kontrast zum lauten Biker-Alltag! (Wichtiger Biker-Hinweis: Das Gelände ist Privatbesitz und einsturzgefährdet – also schön von außen bestaunen und den Respekt vor der Geschichte wahren!)
Das Kurvenfinale: Vom Schneeberg zurück ins Flachland
Nach diesem geschichtsträchtigen Boxenstopp brauchte der Kopf erst mal wieder Fahrtwind. Also Helm auf, Visier runter und ab Richtung Puchberg am Schneeberg. Der mächtige Berg im Hintergrund lieferte die perfekte Kulisse, während wir die Kehren hinunter nach Ternitz und Neunkirchen jagten.
Über Wiener Neustadt ging es dann langsam wieder auf den Rückweg.
Wer behauptet, man kann auf bekannten Pfaden nichts Neues entdecken, war noch nie richtig unterwegs. Feichtenbach hat mich definitiv nicht zum letzten Mal gesehen – dieses Mal aber als geplanter Kultur-Stopp statt als unfreiwilliger Wendepunkt.
211 km - Fahrzeit 4:01
Kommentar hinzufügen
Kommentare